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Die Emanzipation des Fleisches und ihre Gegner. Literarischer Sensualismus zwischen Romantik und Vormärz

Thelem 2016

gebunden mit Schutzumschlag, 15,5 x 22cm, 496 S.

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ISBN: 978-3-945363-26-3

Um das Jahr 1800 betritt eine Gruppe junger Autoren das literarische Feld,
die später unter dem Namen Frühromantik in die Literaturgeschichte eingehen
wird. Durch gezielte Provokationen erringen die Dichter und Kritiker
die Aufmerksamkeit des Publikums, machen sich aber auch viele Feinde
in den Reihen der Spätaufklärung. Gerade die Ideen zur Aufwertung der
Sinnlichkeit und Weiblichkeit, wie sie besonders in Friedrich Schlegels
Roman „Lucinde“ zum Ausdruck kommen, sorgen für skandalöses Aufsehen
und polemische Debatten. Wenige Jahre später ist vom frühromantischen
Aufbruch nur noch wenig geblieben. Im Kampf gegen die Napoleonische
Fremdherrschaft propagiert die gereifte romantische Bewegung Patriotismus
und eine Rückkehr zum Christentum – erotische Dichtungen stehen
nun im Verdacht, französische Unmoral zu verbreiten. Während die Autoren
der romantischen Bewegung sich von ihrer eigenen Jugend distanzieren,
nimmt der Dichter Heinrich Heine in den zwanziger und dreißiger Jahren
die Idee des Sensualismus programmatisch wieder auf. Seinem Vorbild folgt
eine Avantgarde um den jungen Schriftsteller Karl Gutzkow, die bald unter
dem Namen Junges Deutschland bekannt wird. Gutzkows Roman „Wally,
die Zweifl erin“, der aufs Neue die freie Liebe und die Emanzipation der Frau
diskutiert, erregt einen Skandal wie einst Schlegels „Lucinde“. Die Jungdeutschen
eignen sich frühromantische Ideen dabei nicht nur an, sie instrumentalisieren
sie auch im literaturpolitischen Kampf gegen die Spätromantik.
Und spätromantische Autoren wie Ludwig Tieck und Clemens Brentano
sehen sich gezwungen, auf die Provokation durch die jungen Konkurrenten
zu reagieren und sich dabei auch mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Michael Bittners Arbeit ist ein Beitrag zur Literaturgeschichte
des Sensualismus wie auch zum komplexen Verhältnis von Romantik und
Vormärz. Methodisch kombiniert die Arbeit Ansätze der Literatursoziologie
Pierre Bourdieus mit einer zeitgemäßen Ideengeschichte.

 

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